Zwanzig Jahre nachdem Hammer Films mit Schock – The Quatermass Xperiment im Jahr 1955 den ersten Bodyhorror-Streifen auf die Menschheit losließ, machte Drehbuchautor und Regisseur David Cronenberg mit Parasiten-Mörder auf sich aufmerksam. Der kleine, dreckige Ekel-Epidemie-Streifen war die Geburtsstunde seiner populären Bodyhorror-Phase, die viele meisterhafte und bizarre Schocker nach sich zog und die er 1999 mit eXistenZ vorerst beendete (seine jüngsten Bemühungen in dem Bereich blieben leider weit hinter den Erwartungen zurück). Nachdem er 1977 mit Rabid – Der brüllende Tod nochmal in Sachen tödliche Seuche nochmal eins drauflegte, widmete er sich seinem schlimmsten, eigenen Horror und verarbeitete die eigene Scheidung im hier vorliegenden Die Brut, den PLAION PICTURES exklusiv in deren Shop als Premium Edition anbietet. Ein verstörendes Filmchen mit einem außergewöhnlich guten Oliver Reed in einer der Hauptrollen.

Originaltitel: The Brood
Drehbuch & Regie: David Cronenberg
Darsteller: Oliver Reed, Samantha Eggar, Art Hindle, Henry Beckman, Cindy Hinds
Artikel von Christian Jürs
Ich fasse es nicht, dass ich, als erklärter Horrorfan seit frühester Jugend, hier erneut eine Bildungslücke vorzuweisen hatte. Doch irgendwie sprach mich das alte Videocover aus dem Hause Toppic / Polyband, auf dem, vor pinkem Hintergrund, eine rote Teufelsfratze und zwei der schrecklichen, titelgebenden Blagen abgebildet waren, wohl nicht an. Ich habe den Film jedenfalls bis heute links liegen lassen. Dank Plaion Pictures konnte ich diese sträfliche Lücke nun schließen und darf berichten, dass Die Brut zwar nicht David Cronenbergs bester Film, auf jeden Fall aber ein durchaus sehenswerter Horrorstreifen ist – erst recht in der nun vorliegenden Bildqualität.

Es ist schwierig, auf die Handlung von Die Brut einzugehen, ohne mehr zu spoilern, als es das Coverbild mit der ikonischen Pose Samantha Eggars nicht ohnehin schon tut. Ich taste mich also vorsichtig an die Sache heran.
Dr. Ragland (Oliver Reed) ist eine Ikone unter den Psychologen. Seine obskure Behandlungsmethode der Psychoplasmatik führt dazu, dass seine Patienten den inneren Hass in physischer Form aus sich herauslassen, was unter anderem zu merkwürdigen Pusteln auf der Haut führen kann. Auch Nola Carveth (Samantha Eggar) befindet sich zur Behandlung in Dr. Raglands Psychiatrie. Doch die Erfolge, die Dr. Ragland angeblich bei Nolas Behandlung erzielt, werden von ihrem Ehemann Frank (Art Hindle) in Frage gestellt. Aus gutem Grund, denn nachdem die gemeinsame Tochter Candice (Cindy Hinds) zu Besuch bei ihrer Mutter war, weist die Kleine gewaltsam beigebrachte Wunden am ganzen Körper auf. Zwar versucht Dr. Ragland den aufgebrachten Ehemann zu beruhigen, doch in Frank keimen weiterhin Zweifel, die drastisch geschürt werden, als plötzlich ihm Nahestehende gewaltsam zu Tode kommen. Begangen werden die Taten von merkwürdigen, brutalen, kleinwüchsigen Lebewesen. Doch was steckt dahinter?

Waren seine ersten Gehversuche im Bodyhorror-Bereich noch geprägt von einer schmuddelig-sleazigen Grindhouse-Atmosphäre, vollzog David Cronenberg mit Die Brut einen filmischen Wandel. Der Film wirkt an allen Ecken und Enden wertiger und künstlerischer als Parasiten-Mörder oder Rabid – Der brüllende Tod. Dazu passt, dass sich der Film deutlich mehr Zeit lässt, um die Figuren einzufügen und sein Geheimnis um die mordenden Zwergenwesen geschickter in die Story einzuweben, als es schlussendlich ist. Die Brut ist hervorragend von Kameramann Mark Irwin (Scream – Schrei) fotografiert worden, mit dem Cronenberg in den Folgejahren noch mehrfach, bis hin zu seinem Meisterwerk Die Fliege, gearbeitet hat. Auch in Sachen Schauspieler konnte er eine gute Schippe drauflegen und engagierte Oliver Reed, der hier eine wirklich beeindruckende Performance hinlegte. Art Hindle (Die Körperfresser kommen) und Samantha Eggar agierten ebenfalls hervorragend und wurden vermutlich aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu David Cronenberg und seiner Ex-Frau Margaret Hindson verpflichtet, da die Story eine Art Verarbeitung von Cronenbergs Scheidungskrieg darstellt. Entsprechend unsympathisch kommt Samantha Eggar herüber – genauer möchte ich aus Spoilergründen aber nicht darauf eingehen. Die kleine Cindy Hinds, die wie ein Look-a-like von Heather O´Rourke aus den Poltergeist-Filmen ausschaut, trat später auch in Dead Zone – Der Attentäter von David Cronenberg auf.
Freunde des Cronenbergschen´ Bodyhorrors kommen vor allem im letzten Drittel des Films auf ihre Kosten. Davor gibt es nur ein paar wenige, brutale Momente, abgesehen von einer verstörenden Mordszene in Anwesenheit von diversen geschockten Kindern. Auf der Zielgeraden aber wird die Blut-Polka getanzt und blutige Föten werden auch noch abgeleckt – in den Kopf von David Cronenberg würde ich gerne einmal hineinsehen. Ein starkes Finale eines sehr sehenswerten Filmes.

Stark ist definitiv auch die Veröffentlichung aus dem Hause Plaion Pictures. Darin enthalten ist der Film, jeweils auf 4K UHD und Blu-ray. Die Bildqualität ist sensationell, der Ton ist auf Deutsch und Englisch in DTS-HD Master Audio 2.0 vorhanden und ebenfalls glasklar. Zusätzlich sind zwei Audiokommentare, einer mit Marcus Stiglegger und Gerd Naumann, der andere mit William Beard, aufgespielt. Zusätzlich liegt noch eine prall gefüllte Bonus-Blu-ray bei, auf der diverse Interviews (u.a. mit David Cronenberg, Art Hindle, Cindy Hinds und Produzent Pierre David), eine englische Super-8-Fassung, Trailer, Teaser, Spots und eine Bildergalerie aufgespielt sind. Im Mittelteil der Box befindet sich ein ausführliches Booklet, verfasst von Stefan Jung.
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Mediabook (4K UHD & 2 Blu-rays)